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              Dsanglun Kangpa Tibetan Handicrafts©

 

                   Es grüßen Sie meine tibetischen Freundinnen und Freunde

                     aus McLeod Ganj - Upper Dharamsala mit einem gemeinsamen

                                                        Tashi Delek

Performance, Dance and Singing Group 2007

 

 

 

 

                       Rock im Exil

                                                                     Welt vom 17.06.2008

                                            Die Tibeter Jigme, Jamyang und Ingsel leben als Flüchtlinge im indischen Exil
             Die Tibeter Jigme, Jamyang und Ingsel leben als Flüchtlinge im indischen Exil

                                             Die Jugend ist hin- und hergerissen zwischen Heimatland und Exil
                   Die Jugend ist hin- und hergerissen zwischen Heimatland und Exil        

 Tibeter finden eine Zuflucht im indischen Dharamsala. 

  Sie hoffen dennoch auf eine Rückkehr in ihre Heimat  

Es scheint ein ganz normaler Auftritt zu sein: Jigme steht auf der Bühne, die Gitarre in der Hand, den Mund ganz dicht am Mikrofon, die Augen geschlossen. Sein Fuß wippt im Takt der Musik, so wie seine schulterlangen, schwarzen, glatten Haare. Sein Bruder Ingsel hat sich zwischen den Trommeln des Schlagzeuges verschanzt, seine Schirmkappe sitzt fest auf seinem Schopf. Er wirbelt die Drumsticks durch die Luft. Jamyang, der Älteste, hat mehr Rhythmus im Blut, er schwenkt den Kopf seiner Bassgitarre und dreht Pirouetten auf der Bühne.

Dennoch wirken die drei Brüder nicht wie eine übliche Band. Über ihren Jeans und T-Shirts tragen sie wallende, weiße Gewänder, deren Krägen mit aufwändigen Goldfäden bestickt sind – traditionelle tibetische Kluft. „We are in exile!“, dröhnt es aus den Verstärkern. Jigme, Jamyang und Ingsel sind „JJI Exile Brothers“, eine tibetische Rockband, die im indischen Exil lebt. Sie gehören zu einer Generation von Tibetern, die ihr Heimatland noch nie gesehen haben, das für sie so süß wie ein Stück Kuchen scheint. „Ein Stück Kuchen, das wir aber nicht haben können“, seufzt Jigme mit einem leicht verlegenen Lächeln auf den Lippen.



Wunsch nach Heimkehr


Ungefähr 85.000 Tibeter sind seit dem Jahr 1959 gemeinsam mit dem Dalai Lama aus dem tibetischen Hochland ins angrenzende Dharamsala und Rest-Indien geflohen, um sich vor den Repressionen der Armee des kommunistischen Chinas in Sicherheit zu bringen. Dort haben sie sich eine zweite Heimat in der Stadt McLeod Ganj aufgebaut. „Viele Menschen kommen dort hin, um den Dalai Lama zu sehen“, sagt Neema, die Mutter und Managerin der drei Exil-Rocker, „deswegen nennen sie es auch ‚Little Lhasa’, nach der Hauptstadt Tibets.“ Sie selbst wurde in Lhasa geboren, musste aber schon als Säugling mit ihren Eltern fliehen. „Ich möchte wieder dorthin zurückkehren“, lautet ihr größter Wunsch. Viele warten wie sie noch immer auf eine Rückkehr - mittlerweile schon seit fast fünfzig Jahren. Die Aussichten, dass ihr Wunsch in Erfüllung geht, sind im Moment mehr als gering. Nach den blutig niedergeschlagenen Protesten am 10. März spricht zwar die ganze Welt über Tibet, aber Chinas Führung bewegt sich dennoch keinen Millimeter. Tibet sei ein Teil Chinas und wird es immer bleiben. „Uns wurde gelehrt immer positiv zu denken“, begründet Nyima ihr Durchhaltevermögen.

Bürde des  Erbes


In der Brust der drei Brüder schlagen inzwischen zwei Herzen. Ihr Geburtsort ist Dharamsala, ihre Freunde, ihre Familie sind dort, ihr Leben spielt sich im indischen Exil ab. Trotzdem wollen sie zurück in das Land, das sie nur aus Erzählungen kennen. Erzählungen aus einer längst vergangenen Zeit: „Mein Großvater hat mir immer von den Pferden erzählt, die er geritten hat“, schildert Jigme eine der Geschichten, „man könnte sagen, dass mein Motorrad jetzt mein Pferd ist“, beugt er sich vor und lacht. Die Jüngsten der Exil-Tibeter sind nicht nur Getriebene zwischen Ländern, sondern auch zwischen den Generationen. Sie tragen die Bürde, die Werte des tibetischen Volkes repräsentieren zu müssen. „Ich will wie ein Rockstar leben, Geld und Frauen haben“, lacht Jigme, wird aber im nächsten Moment ernst: „Andererseits sind wir Tibeter als höflich und freundlich bekannt. Wir müssen dieses Erbe hochhalten. Das ist für mich eine ziemliche Last auf meinen Schultern.“

Stillschweigende Vereinbarung


In einem Land wie Indien, mit fast einer Milliarde Einwohnern, fallen 100.000 Exilanten nicht weiter ins Gewicht. Trotzdem muss die indische Regierung vorsichtig agieren, um den großen Nachbarn China nicht vor den Kopf zu stoßen. Die indische Bevölkerung unterstütze die Tibeter sehr stark, sagt Neema, „während der Unruhen im März gab es sogar Hungerstreiks, an denen sich Tibeter und Inder beteiligten.“ Der Teil Indiens, der die Leidensgeschichte der Exil-Tibeter kennt, solidarisiert sich auch mit ihnen. Politisch sieht das jedoch anders aus: Während des olympischen Fackellaufs durch Indien kam es bei Protesten zu Festnahmen und Inhaftierungen von Tibetern. „Wir haben hier ein rotes Band“, sagt Jigme und fährt sich dabei mit einer sachten Handbewegung über den Hals. Weil sie hier geboren sind, dürfen sie nicht reden und kritisieren. Man möchte anscheinend nicht undankbar erscheinen. Es wirkt wie eine stillschweigende Vereinbarung. Deswegen kritisiert der Dalai Lama etwa nicht, dass sich der indische Premierminister Manmohan Singh dieses Jahr mit der chinesischen Führung getroffen hat – zur Vertiefung der wirtschaftlichen Beziehungen.

Trotzdem sind „JJI Exile Brothers“ weiterhin entschlossen ihren Kampf fortzuführen. Nach ihrem Aufenthalt in Europa geht es sogar in die USA, wo sie ihre Mischung aus tibetischer Folklore und Sechzigerjahre Rock darbieten möchten. „Die Menschen in Tibet können nicht selbst für ihre Freiheit kämpfen“, sagt Jigme und streicht sich dabei durch seine Haare, „deswegen müssen wir das ausgleichen und ihnen durch unsere Musik helfen.“

Christian Schwarz

           Fotos:  Marina Wetzlmaier

     

 

 

                           

Die neue CD der Exil Brothers können Sie 

ab November 2008 im Shop beziehen.

Hörprobe des Titels:

Nr. 8: We are in Exil